LINZ, am 31. März 2020

Von Fritz Loidl, Co-Autor von Absatzkrisen (2008/2009) anders bewältigen, (Loidl/Szabo/Wührer), Linde Verlag, 2010; Geschäftsführer MCG Management Beratung GmbH und Markus Gahleitner, Partner MCG Management Beratung GmbH.

Werden wir gar nicht/wenig betroffen sein oder werden wir 10%, 20% bis zu 50% oder mehr Umsatz verlieren? Das bewegt derzeit viele Industriebetriebe und andere Unternehmen.

Dieser Artikel beschäftigt sich mit folgenden Fragen:

  • Was können wir aus der Krise 2008/2009 auf 2020 übertragen?
  • Was ist anders?
  • Was ist unmittelbar zu tun? Welche Krisenstrategie müssen wir verfolgen?

Die Realwirtschaft

  • Die Kurse an den Aktienmärkten sind in den Keller gegangen.
  • Die Konjunktur bricht ein. Der Konsum wird zurückgehen, ausgelöst durch steigende Arbeitslosigkeit und Angst vor der Zukunft.
  • Unternehmen verschieben Investitionen und nicht unbedingt nötige Ausgaben auf das nächste Jahr.
  • Der Ölpreis ist von $ 68 auf $ 23 je Barrel gesunken.
  • Usw.

Die Rahmenbedingungen sind alles andere als ermutigend.

Hilfspakete der Regierungen, EZB etc.

Dagegen stehen natürlich die Maßnahmen der Regierungen (Kurzarbeit, Überbrückungskredite, EZB Rettungsschirme, usw.). Hier haben die Regierungen sehr schnell Hilfspakete geschnürt. Die unbürokratische Abwicklung wird allerdings zur Herausforderung werden.

Wie lange dauert der Ausnahmezustand?

Wie lange wird dieser Ausnahmezustand (Ausgangsbeschränkungen, Totalschließungen, Grenzschließungen, etc.) dauern? Genau weiß das natürlich niemand. Werden es drei Monate, 6 Monate sein oder wird es länger brauchen? Nach Gesprächen mit Geschäftsführern einiger Industriebetriebe rechnen wir, dass eine weitgehende Normalisierung – allerdings auf niedrigem Niveau – je nach Branche in 6 – 9 Monaten eintreten wird. In der internationalen Presse wird immer öfter der September 2020 genannt.

In jedem Fall ist mit massiven Umsatzrückgängen 2020 zu rechnen (siehe Tabelle Umsatzrückgänge 2008 zu 2009). Wir wissen von der Krise 2008/2009, dass viele Unternehmen die Krise anfangs ignorierten, weil sie am Anfang noch mit keinen Umsatzrückgängen konfrontiert waren. Diese kamen aber im Laufe der Monate.

Umsatzrückgang 2009 im Vergleich zu 2008, vgl. Loidl, Szabo, Wührer, S. 270

Nicht/
wenig betroffen
-10% bis -20%-21% bis -30%-30% bis -50%
BauzulieferindustrieAutomobil-IndustrieAutomobil-ZulieferindustrieNutzfahrzeug-
industrie
GesundheitswesenBankenChemische IndustrieMaschinenbauer
HandwerkerChemie Master-BatcherPapierindustrieSpezial-maschinenbauer
HotellerieFlughafenSeminarhotellerieGlücksspielindustrie
LebensmittelindustrieFlugindustrieSpediteure
Pharmazeutische IndustrieGehobene GastronomieStahlindustrie
SportartikelhandelLadenbauindustrieZiegelindustrie
TouristikLuftfrachtZulieferindustrie-Maschinenbau
Solarindustrie
Versicherungen

Der Absatzeinbruch 2008/2009 ist in den verschiedenen Industrien unterschiedlich gewesen. In manchen Branchen war wenig oder nichts zu spüren, wie z. B. in der pharmazeutischen Industrie, im Gesundheitswesen oder in der Lebensmittelindustrie.

In der Automobilindustrie hingegen betrug der Rückgang rund 25%, im Maschinenbau betrug der Einbruch zwischen 40 und 70%. Die chemische Industrie verzeichnete Rückgänge zwischen 10 und 20%.

Manche Branchen erlebten einen regelrechten Boom, insbesondere das Baugewerbe, Fensterbau, Maler und Dachdecker profitierten vom Vertrauensverlust in die Bankenwelt.

Recht robust zeigte sich der Tourismus und Verkehr.

Die 2020 von der Pandemie ausgelöste Wirtschaftskrise trifft diesmal auch andere Branchen. Wenig und nicht betroffen werden vermutlich auch diesmal Lebensmittelindustrie, pharmazeutische Industrie, Medizintechnik und Gesundheitswesen sein.

Anders als 2009 sind 2020 durch die Ausgangsbeschränkungen, globale Reisewarnungen und Totalsperren folgende Industrien und Wirtschaftsbereiche extrem getroffen: Gastronomie, Hotellerie, Handelsunternehmen, Touristik, Flugindustrie, Dienstleistungen, Freiberufler usw. Sie verlieren pro Monat Sperre 7 – 10% Umsatz und in manchen Fällen auch mehr (Saisonbetriebe). Die Bauindustrie wird vermutlich Einbrüche im einstelligen Bereich haben.

Alle anderen Industriebetriebe werden vermutlich ähnliche Umsatzrückgänge wie 2008/2009 verkraften müssen.

Wir empfehlen folgende Fragen im Unternehmen zeitnah auf die Agenda zu nehmen:

  • Wie schaut meine unmittelbare Krisenintervention aus? Kapazitätsanpassung (Kurzarbeit) und Liquiditätssicherstellung (Kredite). Das haben die meisten Unternehmen heute (Ende März) vermutlich schon gemacht.
  • Um wieviel wird der Umsatz/Absatz im Jahr 2020 sinken?
  • Wie lange wird die Krise dauern?
  • Wie soll meine Krisenstrategie – Smart Action Plan aussehen (Reduce Smart, Move smart)?

In den nächsten Artikeln werden wir uns mit folgenden Themen beschäftigen:

  • Was können wir aus 2008/2009 lernen, dass uns in der gegenwärtigen Situation hilft?
  • Welche Herausforderungen (abgesehen vom Umsatzrückgang) werden auf uns zukommen? (Veränderungen im Kaufverhalten, in der Supply Chain, etc.)
  • Wie können wir unsere Aktivitäten nach der Krise am effizientesten hochfahren?
  • Müssen wir unsere Strategie (Markt-/Produktstrategie) anpassen?

We´ll be back!